Walter Christaller

Biographie von Walter Christaller

Walter Christaller war ein bedeutender deutscher Nationalökonom und Wirtschaftsgeograph, der mit der „Theorie der zentralen Orte“ die Basis für die Strukturierung moderner Wirtschaftsräume schuf. Der im Jahr 1893 in Berneck geborene berühmte Geograph, legte damit die theoretischen städteplanerischen Grundlagen, die bis zum heutigen Tage im Bereich der Raumordnung maßgebend sind.

Der Sohn des evangelischen Pfarrers Ermann Gottreich Christaller und der Schriftstellerin Helene Christaller, studierte Geographie und Volkswirtschaft an der Universität Erlangen. Im Rahmen seines Studiums beschäftigte er sich vor allem mit den Bereichen Agrargeographie und Stadtplanung. In dieser Zeit entwickelte Christaller mit der „Theorie der zentralen Orte“, eine für damalige Verhältnisse revolutionäre Sichtweise auf das Versorgungsprinzip urbaner Zentren. Seine Dissertation, die er im Jahr 1933 dem Geographie-Professor Robert Gradmann vorlegte, fand zunächst wenig Beachtung, bis die Reichsarbeitsgemeinschaft für Raumforschung ihren unschätzbaren Wert erkannte. Nachdem der junge Geograph im Jahr 1934 kurzzeitig, aufgrund ehemaliger Nähe zur Kommunistischen Partei Deutschlands, in Frankreich untertauchen musste, gelang es ihm über einflussreiche Freunde nach Deutschland zurückzukehren. An der Universität Freiburg, an der er 1938 habilitierte, arbeitete er im Kommunalwissenschaftlichen Institut unter der Leitung des Verwaltungsrechtlers Theodor Maunz.

In den Jahren 1940 bis zum Ende der NS-Diktatur 1945, war Christaller im Stabshauptamt für Planung und Boden beschäftigt, dessen Aufgabe es war, die aggressive Expansionspolitik des Dritten Reiches in Osteuropa, auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse zu rechtfertigen. In diesem Zusammenhang zeigte sich der Wirtschaftsgeograph für die Siedlungsplanung im besetzten Polen verantwortlich, die ebenfalls nach dem Vorbild seiner Theorie der zentralen Orten, umgesetzt wurde.

Nach dem Krieg trat er der SPD bei und arbeitete fortan als freischaffender Geograph. Zusammen mit seinen Kollegen Paul Gauss und Emil Meynen gründete Walter Christaller den Deutschen Verband für Angewandte Geographie, der seit 1996 den Walter-Christaller-Preis für Nachwuchsgeographen verleiht. In der Zeit des Wiederaufbaus zeichnete er sich, zusammen mit seinen Mitstreitern aus dem DVAG für das städteplanerische Konzept der Bundesrepublik Deutschland verantwortlich. Bis zu seinem Tod im Jahr 1969 erhielt Christaller in Anerkennung seiner Dienste, zahlreiche Ehrungen wie die Victoria Medal der Royal Geographical Society oder die Ehrendoktorwürde der Universität Lund.

Seine Theorie der zentralen Orte befasst sich mit der hierarchischen Ordnung der Siedlungskultur beziehungsweise, in welchem Maße große und kleine Siedlungen einer definierten Landschaft miteinander in Beziehung stehen. Kern der Theorie ist ein urbanes Oberzentrum, welches von Mittelzentren umgeben ist, die es versorgen. Diese wiederum sind von Unterzentren eingefasst, die ihrerseits deren Versorgung sicherstellen. Nur auf Basis dieser Theorie war es möglich, die Versorgungsstruktur in Siedlungsgebieten zu optimieren und neue Zentren entstehen zu lassen.

Zentrale-Orte-Theorie

Walter Christaller entwickelte in den 1930er Jahren die Zentrale-Orte-Theorie. Die Theorie besagt, dass in sich homogenen Räumen eine Struktur von zentralen Orten auf unterschiedlichen Hierarchiestufen bilden. Größere Städte bilden dabei die zentralen Orte der höchsten Hierarchiestufe, verfügen über die meisten Ausstattungsmerkmale und haben einen Bedeutungsüberschuss für die sie umgebenden Ergänzungsgebiete. Das Modell der Zentralen Ort ist Grundlage für das deutsche Raumordnungsgesetz und somit für die Siedlungsstruktur in der Bundesrepublik Deutschland.

Steckbrief von Walter Christaller

Geboren
21. April 1893 in Berneck (Deutschland)

Gestorben
09. März 1969 in Königstein im Taunus (Deutschland)

Eltern
Erdmann Gottreich Christaller, Helene Christaller

Geschwister
Drei (Else, Gertrud und Erika)

Tätigkeiten
Geograph

weiterführende Literatur
Die zentralen Orte in Süddeutschland: Eine ökonomisch-geographische Untersuchung über die Gesetzmäßigkeit der Verbreitung und Entwicklung der Siedlungen mit städtischen Funktionen